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Samenfestes Saatgut vs. F1-Hybride

5. Februar 2021

Da das Thema F1-Hybride und samenfestes Saatgut jetzt zur Anzucht-Zeit vermehrt für Gesprächsthema in der Gartenbranche sorgt, möchte ich in diesem Blog-Beitrag den Unterschied zwischen samenfestem Saatgut und F1-Hybriden erklären und Vor- und Nachteile aufzählen.

Beide Sorten Saatgut haben sowohl Vor- als auch Nachteile, das sollte man zu Beginn einmal grundsätzlich klarstellen. Absolut schlecht ist weder das eine noch das andere, obwohl die vorherrschende Meinung ist, dass es nur schwarz oder weiß gebe.

Was sind F1-Hybride?

Ein Hybrid ist nichts anderes als eine Kreuzung. F1 ist also die 1. Tochtergeneration eben dieser Kreuzung. Bei F1-Saatgut handelt es sich um nichts anderes als traditionell gezüchtetes Saatgut, also nicht genmanipuliert. Genmanipuliertes Saatgut zu verkaufen ist in Deutschland übrigens auch verboten.

Wieso gibt es F1-Hybride?

Was wir realistisch sehen sollten: Das Klima verändert sich. Die Winter sind milder und kürzer, die Sommer deutlich heißer und die Trockeneprioden werden länger. Durch die Kreuzung zweier Sorten werden jeweils die positiven Eigenschaften der Sorten kombiniert, um eine neue Sorte zu erhalten, die mehr Ertrag liefert, resistenter gegen Krankheiten ist oder die dem aktuellen Klima angepasst sind. Diese Eigenschaften, besonders in Kombination, kann mit samenfestem Saatgut nicht erreicht werden.

Gerade bei Mais, Paprika und Melone macht das Anbauen von F1-Saatgut meiner Meinung nach besonders Sinn. Bei der Melone brauchen wir einfach an unser Klima angepasste Sorten, sonst wird das mit dem Kultivieren von Melonen im eigenen Garten nichts. Zur selben Kategorie gehört auch die Paprika.

Übrigens: Meist ist das Gemüse im Supermarkt übrigens ebenfalls F1, wodurch keine Garantie besteht, dass die nachfolgende Generation mit der gekauften Frucht identisch ist.

Vorteile von F1-Hybriden

  • Sortenvielfalt: aus 2 Sorten wird eine 3. Sorte. Die beiden Elternsorten werden trotzdem weiter geführt
  • An Klimabedingungen angepasste Sorten
  • Preiswert??
  • Höhere Erträge
  • Resistentere Pflanzen und Früchte

Nachteile von F1- Hybriden

  • Müssen jährlich neu gekauft werden
  • Saatgut kann nicht entnommen werden bzw. man weiß nicht, wie die nächste Generation aussieht
  • Es besteht bei vielen, besonders bei F1-Gegnern die Angst, dass die Elterngenerationen, die für neues Saatgut verwendet wurden, relativ schnell vom Markt verschwinden werden

Was ist samenfestes Saatgut?

Samenfestes Saatgut bedeutet, dass von der Frucht entwendetes Saatgut stabile Gene hat. Das heißt, die nachfolgende Generation an Pflanze und Frucht ist indentisch zur letzten Generation.

Dabei sollte man aber bedenken, dass samenfestes Saatgut nicht einfach zu vermehren ist. Das stellen sich die meisten leider etwas leichter vor, als es letzendlich ist. Dafür gibt es auch zwei Gründe:

  1. Viele Gemüsesorten blühen erst im 2. Jahr wie z. B. Karotten. Was bedeutet, dass die Pflanzen dann 2 Jahre im Beet stehen bleiben und verhütet werden müssen. Das heißt: kein Ertrag und blockierte Fläche im Garten.
  2. Sorten können sich z. B. durch Fremdbestäubung mit Hilfe von Wind oder Insekten kreuzen, sodass die nächste Generation an Pflanzen / Früchten sich in Optik und Geschmack zu der letzten Generation unterscheiden. D. h. die Eigenschaften, die das samenfeste Saatgut hatte, kann bereits in der nächsten Generation verschwinden bzw. sich verändern. Ganz besonders dramatisch ist dieses Thema bei Kürbisgewächsen, die durch eben diese Fremdbestäubung und Kreuzung Bitterstoffe entwickeln können, die in einer höheren Konzentration giftig sind. Zur Verhütung, um ungewollten Kreuzungen vorzubeugen verwenden viele Gärtner deshalb z. B. Organzasäckchen.

Ganz wichtig ist es deshalb bei Zucchini, Kürbis und Gurke, wenn selbst Saatgut gezogen wurde: vor dem eigentlichen verkochen unbedingt auf eben diese Bitterstoffe zu prüfen d.h. kosten. Ist die Frucht bitter muss sie unbedingt ausgespuckt und nicht weiter verwertet werden.

Vorteile von samenfestem Saatgut

  • Saatgut kann beim eigenen Anbau entnommen werden und die nachfolgenden Generationen sind bei richtigem Anbau in Optik und Geschmack identisch.

Nachteile von samenfestem Saatgut

  • Es gehört ein wenig Wissen dazu um Pflanzen so anzubauen, dass nachfolgende Generationen in Optik und Geschmack identisch sind.
  • Die Saatgutgewinnung kostet Zeit und es bedarf einer Menge Platz.
  • Früchte müssen für die Entnahme des Saatguts vollkommen reif sein.
  • Manche Gemüsesorten blühen erst im 2. Jahr, d. h., dass auch Saatgut dann erst im 2. Anbaujahr entnommen werden kann.

Wieso ich überwiegend F1-Hybride nutze:

Mein Platz im Garten ist recht überschaubar. Zu meinem Garten gehören ein 8 m² kleines Gewächshaus und ein 33 m² kleiner Garten in meiner Mietwohnung. Aufgrund des geringen Platzes, der mir zur Verfügung steht, entnehme ich mein Saatgut nicht selbst und fahre aus diesem Grund mit F1-Hybriden ganz gut. Ich nutze aber nicht ausschließlich F1-Hybride und teste auch gerne mal ein paar samenfeste Sorten. So kann ich, sollte ich doch Saatgut entnehmen wollen, das auch tun. Meiner Meinung nach gibt es kein richtig und kein falsch. Jeder sollte das Saatgut verwenden, das auf seine Bedürfnisse angepasst ist. Deshalbe denke ich, dass eine Kombination aus beiden Varianten eine gute Lösung ist.

Saatgut das ich getestet habe und empfehlen kann:

  • Saatgut von Kiepenkerl
  • Saatgut von Sperli
  • Saatgut von Bingenheimer
  • Saatgut der Gärtnerei Herb aus Kempten

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